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Geschichte und Kultur Kenyas

So abwechslungsreich wie seine Landschaft, so abwechslungsreich ist auch die Geschichte Kenyas. Die ursprüngliche Bevölkerung dieses Teils von Ostafrika, der heute Kenya heisst, beeinflusste den Gang der Geschichte ebenso wie die verschiedenen Einwandererwellen aus Europa, Asien und aus anderen afrikanischen Ländern. Kenias Geschichte und Kultur beginnen in prähistorischen Zeiten. Archäologische und paläo-anthropologische Funde auf Rusinga Island im Viktoriasee, bei Fort Ternan und am Turkana-See belegen, daß in Ostafrika die vieldiskutierte “Wiege der Menschheit” stand. Denn hier entdeckten die Ausgräber alle wichtigen Entwicklungsstufen des Menschen - vom Urmenschen bis zum Homo sapiens. Einer der bedeutendsten Fundplätze ist das Gebiet des Turkana-Sees, wo man Steinwerkzeuge und Skelettreste mit einem Alter von über zwei Millionen Jahren entdeckte.
Die Entwicklung der prähistorischen Menschen und seiner Kultur in Ostafrika lässt sich in die großen Epochen Steinzeit, Jungsteinzeit und Eisenzeit unterteilen.
Die Steinzeit beginnt in Kenya vor rund zwei Millionen Jahren und wird vor etwa 10.000 Jahren von der Jungsteinzeit abgelöst. Vor etwa 2000 Jahren setzt dann die Eisenzeit ein, die erst mit der Kolonialisierung Ostafrikas ein Ende findet.
Für die Menschheitsgeschichte von größter Bedeutung ist die Periode der Jungsteinzeit. Im Lauf dieser Epoche nämlich begannen die alten Jäger- und Sammlerkulturen gezielt damit, Tiere zu domestizieren und Ackerbau zu treiben. Und das bedeutete nicht weniger als den umwälzenden Schritt vom Jäger- und Sammlerdasein zur Hirten- und Bauernkultur, der letzlich Voraussetzung für alle späteren Entwicklungsschritte war. Funde von Tierknochen belegen, daß Rind, Schaf und Ziege bereits zu den domestizierten Arten gehörten.
Die Eisenzeit ist das Zeitalter, das durch den neuen Werkstoff Eisen und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in der Werkzeug- und Waffentechnik geprägt ist. Da Eisen im Lauf der Zeit korrodiert, finden die Archäologen nur relativ selten guterhaltene Eisengegenstände.

Nach den letzten Volkszählungen gibt es in Kenya noch 38 Stämme, wobei nicht-kenyanische Afrikaner und andere Gruppen nicht mitgerechnet wurden. Unterschiedliche Lebensbedingungen bewirkten bei den verschiedenen Volksgruppen unterschiedliche Bräuche und Daseinsformen.
Der bekannteste Stamm Kenyas sind die Masai, die heute im Süden des Landes leben. Ein Teil des kriegerischen Hirtenvolkes lehnt noch immer alle Neuerungen der modernen Zeit ab und ist stolz auf seine althergebrachten Traditionen. Bis heute ist die Geschichte der Masai wenig erforscht. Als sicher gilt, das sie bis ins 15. Jh. in der Gegend um denTurkana-See lebten. Nur langsam zogen sie von dort in kleinen Gruppen weiter südwärts. Über lange Zeit waren sie unbestrittene Herrscher in den weiten Savannen Zentralkenias und im Süden des Landes bis weit nach Tanzania hinein. Gegen ihren Willen wurden die Masai in das unfruchtbare Savannengebiet im Süden des Landes, in der Gegend des späteren Masai-Mara-Reservates, umgesiedelt. Und auch in den folgenden Jahrzehnten wurde das Weideland für die Masai immer knapper. Die Erschließung der Nationalparks Masai Mara, Amboseli und auf der tanzanischen Seite der Serengeti verbieten ihnen, in diesen Zonen weiter ihre Rinder weiden zu lassen. Kaum ein anderes Volk hält so stark an seinen traditionellen Sitten und Bräuchen fest wie die Masai. Ihr wichtigstes Gut ist das Vieh, wogegen Landbesitz für das Nomadenvolk keine Rolle spielt. Von großer Bedeutung ist für den Masai die Anzahl seiner Rinder, und nicht, wieviel Fleisch oder Milch sie geben. Die Nahrung der Masai besteht hauptsächlich aus Milch, Hirse, Mais und Blut, das den Rindern abgezapft wird. Sie leben in Hütten, die im Rund zu sogenannten Bomas angeordnet sind und beim Weiterziehen zurückgelassen werden. Am nächsten Ort baut man dann neue Hütten aus Ästen, die mit einer Schicht aus Lehm und Kuhdung verbunden werden.

In Kenya gibt es nebeneinander zwei gleichberechtigte Landessprachen: Englisch und Suaheli, auch Kisuaheli, “Sprache der Suaheli”, genannt. Auch wenn Suaheli heute die zweite Landessprache in Kenya ist, ist es doch nur für einen geringen Teil der Bevölkerung gleichzeitig die Muttersprache. Als erstes lernt jeder Afrikaner die Sprache seines jeweiligen Volkes, also einen kuschitischen oder nilotischen Dialekt oder eine Bantu-Sprache. In ganz Ostafrika sprechen heute etwa 50 Millionen Menschen Suaheli. Dennoch hat es immer noch nicht den gesellschaftlichen Stellenwert des Engesn errungen, das jeder Kenyaner bereits in der Schule lernt.

 

Ostafrika von Gestern bis Heute

8. Jh. n.Chr.:
Vermischung moslemischer Einwanderer mit einheimischer afrikanischer Bevölkerung. Es sind dieVorfahren der Suaheli-Völker

1498. Jh. n. Chr.:
Der Seefahrer Vasco da Gama landet mit seiner Flotte in Malindi. Viele Portugiesen folgen ihm und plündern hemmungslos

1593. Jh. n. Chr.:
Fort Jesus ist der bedeutendste Stützpunkt der Portugiesen an der Küste Ostafrikas

1698. Jh. n. Chr.:
Die portugiesische Herrschaft fällt nach fünfzehnmonatiger Belagerung durch die arabische Herrschaft der Omani und das Fort Jesus fällt als letzte portugiesische Bastion

1828. Jh. n. Chr.:
Die Omani verlegen die Hauptstadt nach Zanzibar. Sklavenhandel als lukrativste Einnahmequelle

1873. Jh. n. Chr.:
Offizielles Verbot der Sklaverei.

1890. Jh. n. Chr.:
Großbritannien sichert sich durch den Helgoland-Vertrag die Herrschaft über Zanzibar, Kenya und Uganda. Die Deutschen erhielten im Gegenzug das vordem britische Helgoland und das heutige Tanzania

1896. Jh. n. Chr.:
Bau der Eisenbahnstrecke Uganda - Bahn zum Victoria See, 30.000 indische Arbeiter wurden dafür nach Ostafrika gebracht

1907. Jh. n. Chr.:
Großbritannien verlegt die Verwaltung von Zanzibar nach Nairobi

1920. Jh. n. Chr.:
Kenya wird offiziell britische Kronkolonie

1932. Jh. n. Chr.:
Entstehung einer antikolonialistischen Bewegung, Kampf um Rückgabe des eigenen Landes

1946. Jh. n. Chr.:
Entstehung der Kenya-African-Association. Die Organisation fordert gebührenfreie Schulen und die Erlaubnis, im Weißen Hochland zu siedeln. Präsident ist Jomo Kenyatta

1952. Jh. n. Chr.:
Nach Aufständen ruft die Regierung den Notstand aus. Kenyatta wird vor Gericht gestellt und zu sieben Jahren Zwangsarbeit verurteilt

1957. Jh. n. Chr.:
Neun Afrikaner dürfen ihre Landsleute parlamentarisch vertreten. Unter ihnen ist Daniel Arap Moi

1963. Jh. n. Chr.:
Erste allgemeine Wahlen. Jomo Kenyatta wird erster Ministerpräsident. Kenya erhält die volle Unabhängigkeit

1978. Jh. n. Chr.:
Jomo Kenyatta stirbt im Alter von 86 Jahren. Daniel Arap Moi wird sein Nachfolger

1993. Jh. n. Chr.:
Einführung des Mehrparteiensystems

2003. Jh. n. Chr.:
Mwai Kibaki wird neuer Präsident von Kenya

2004. Jh. n. Chr.:
Amani Karumne ist Präsident von Zanzibar